Duftreisebericht Ägypten

Jasmin, Neroli u.a.
Engagement für Frauen und Mädchen

Duftpflanzen: Neroli, Basilikum, Koriander (Grand Cru); Jasmin
Anbaugebiet: Ägypten
Anbaupartner seit: 2002
Besonderes:
450 Kinder besuchen die von der Stiftung 
unterstützte Dorfschule; 45'000 Menschen (Mitarbeitende und Familienangehörige) profitieren von der Arbeit auf den Plantagen.

Grossstadt vs. Nildelta

Die Ankunft in Kairo mit seinen über zehn Millionen Einwohner:innen ist pure Reizüberflutung: dichter Verkehr und geschäftiges Treiben zu jeder Tageszeit, bunte Läden und Märkte – das Weltkulturerbe Alt-Kairo zieht uns in sein Labyrinth aus Gassen und Minaretten und umfängt uns mit seinem Kaleidoskop an Düften. Ein ziemliches Kontrastprogramm zum Besuch der demeter-Farm, für die wir uns eigentlich auf die Reise gemacht haben.

Am nächsten Abend holt uns Hussein, der Inhaber der Fakhry Aid Foundation, im Hotel ab. Seine Frau Cherifa hat für uns in ihrem Zuhause am Ufer des Nils gekocht und tischt das Abendessen auf. Seit Jahren arbeiten wir mit den beiden zusammen, eine Partnerschaft, wie wir sie schätzen. Das Essen ist ein Fest: bunt, aromatisch, liebevoll zubereitet – ein genussvoller Auftakt für das, was uns im Nildelta erwartet.
Denn schon am nächsten Morgen fahren wir gemeinsam nach Kotour. Drei Stunden Fahrt durch eine zunehmend ländliche Landschaft – dann stehen wir mitten in einer Oase aus Duft und Weite. 

Seit über 200 Jahren ist die Familie Fakhry eng mit dem ägyptischen Ort Kotour im Nildelta verbunden. Husseins Vater stellt 1955 vom Baumwoll-Anbau auf Duftpflanzen um. Was einst als kleine Landwirtschaft begann, entwickelt sich über Generationen zum führenden Produzenten von ätherischen Ölen in Ägypten – und einem wichtiger Arbeitgeber in der Region. Bitterorangenbäume, Basilikum, Minzen, Koriander und viele andere Aromapflanzen werden hier angebaut und destilliert.

 

Die 2. Generation

1997 übernimmt Hussein den Betrieb und stellt ihn auf Bio- und demeter-Anbau um. Gemeinsam mit Cherifa baut er ein Netzwerk von Partnerbetrieben auf, das heute über 5'000 Hektar biologisch bewirtschaftetes Land umfasst – und unzähligen Kleinbäuer:innen eine stabile Lebensgrundlage sichert. Neben 55 Festangestellten sind heute bis zu 200 Mitarbeitende saisonal auf Feldern und in der Manufaktur beschäftigt. Viele weitere Familien sind als Kleinbauern oder über lokale Handelsstrukturen indirekt eingebunden – das Unternehmen trägt so wesentlich zur wirtschaftlichen Stabilität der Region bei. Diese enge Verbindung zur Gemeinschaft prägt das Selbstverständnis des Unternehmens bis heute. 2012 gründen sie die Fakhry Aid Foundation mit dem Ziel, die ländliche Gemeinschaft rund um Farm und Fabrik langfristig zu stärken. 

Frauen und Mädchen im Fokus

Besonders Frauen und Kinder stehen im Zentrum ihres Engagements. Kindertagesstätten erleichtern jungen Müttern den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Frauen werden gezielt gefördert, um ihre Rolle als Produzentinnen und Entscheidungsträgerinnen weiter zu stärken. Mädchen erhalten gezielt Bildungsperspektiven. Schulungen und Sensibilisierungskampagnen helfen dabei, Wissen zu vertiefen und neue Führungsrollen einzunehmen – für eine gerechtere, zukunftsfähige Landwirtschaft, in der alle mitgestalten können. Mehrmals im Jahr veranstaltet die Stiftung Aufführungen und Schulfeste für die umliegenden Dörfer. Für viele ist das mehr als Unterhaltung – es ist Hoffnung.

Jasmin – nächtliche Königin des Nils

Doch zurück auf die Felder. Einen bedeutenden Anteil an Arbeitsplätzen und Einkommen schafft die Ernte von Bitterorangen- und Jasminblüten, die häufig im Mischanbau kultiviert werden. Wie der Bitterorangenbaum, der Neroli, Petitgrain aus den Blättern und Bitterorangenöl liefert, ist auch der Jasmin in Ägypten tief kulturell verwurzelt: Hier ist er Teil der nationalen Identität – er ist im ganzen Land verbreitet und verankert in Alltag, Sprache und Symbolik. 

Schon ab 4 Uhr morgens durchstreifen die Pflückerinnen die Felder. Die Blüten entfalten ihr volles Aroma in der Nacht – deshalb beginnt die Ernte noch vor Sonnenaufgang. Jede Blüte wird von Hand gepflückt – eilig und doch achtsam, denn nur aus den frisch geöffneten Blütensternen wird das ätherische Öl gewonnen. Für 1 kg ätherisches Jasminöl werden etwa 3 bis 4 Tonnen Blüten verarbeitet – eine fast unvorstellbare Duftfülle. Darum zählt Jasminum grandiflorum zu den kostbarsten Duftpflanzen der Welt. Die Frauen bringen die Morgenernte direkt in die Weiterverarbeitung.

Klassischerweise wird Jasminöl mittels Lösemittel-Extraktion gewonnen, so entsteht das sogenannte Jasmin-Absolue mit den intensivsten Jasminnoten. Doch Husseins und Cherifas Leidenschaft für Bio hört auch bei der Ölgewinnung nicht auf, weshalb sie Jasminöl zudem mittels Wasserdampfdestillation herstellen: eine absolute Bio-Spezialität, die im Duft etwas sanfter und frischer ist als das Jasmin Absolue. 

Ein Projekt mit Herz und Weitblick

Während unseres Aufenthalts wohnen wir in einem schlichten Holzhaus mitten auf dem Gelände. Eine Gemeinschaftsküche versorgt Mitarbeitende wie Gäste mit frischen, vollwertigen Mahlzeiten. Zwei Tage lang erleben wir hautnah, was es heisst, Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und höchste Qualität miteinander zu verbinden. Fahkrys Plantagen sind mehr als nur ein Ort für Duftpflanzen – sie sind ein Symbol für nachhaltigen Wandel. So nehmen zum Beispiel 480 Bäuerinnen und Bauern an wöchentlichen Schulungen zu Pestizidvermeidung, ökologischer Landwirtschaft und Umweltschutz teil. 

Mit einem Herzen voller Eindrücke kehren wir zurück in die Schweiz. Was bleibt, ist tiefer Respekt vor dem Mut und der Vision von Hussein und Cherifa – und das Gefühl, Teil eines echten Grand Cru zu sein. 

«Lange habe ich meine Dufterinnerungen aus Ägypten in mir 
getragen, denn gute Geschichten 
inspirieren mich immer zu einem Parfum. Jasmin ist einer meiner Lieblingsdüfte – und das Parfum Jasmine Garden trägt den Zauber des Nildeltas und des Orients in sich.»

Jean-Claude Richard, farfalla-Parfumeur