Duftreisebericht Südfrankreich
Wilder Berglavendel
Die Sammlerinnen der Cevennen

Duftpflanze: Wilder Berglavendel
Anbaugebiet: Cevennen, Frankreich
Anbaupartnerschaft seit: 1985
Besonderheiten: Wildsammlung in den Hügeln der Cevennen durch eine Frauengruppe, die damit eine alte Tradition wiederbelebt.
Eine Reise in die Hügel der Cevennen ist immer auch eine Reise in die farfalla-Geschichte, denn die Zusammenarbeit mit den «femmes des Cevennes» ist das älteste Duftpflanzenprojekt, und das ätherische Öl des wilden Berglavendels eines der wichtigsten ätherischen Öle und ein ganz besonderes Grand Cru-Öl* im Sortiment.
Wie in einem Cezanne-Gemälde
Die Cevennen im Süden Frankreichs: Hier herrscht die Natur. Sie demonstriert ihre Macht durch tiefe Schluchten und archaische Berge. Hier kann es geschehen, dass man sich auf einem der Höhenzüge plötzlich inmitten von Hunderten Schafen und Ziegen wiederfindet. Eine Gegend wie ein Gemälde von Cezanne. Stark, ausdrucksvoll, einprägend. Und dieser Duft! Angenehm und würzig nach Kräutern, mal höhlenfeucht, dann blütenzart, immer wieder anders.
Wir von farfalla haben uns vor über 40 Jahren in die Cevennen verguckt. Der Alltag hier ist nichts für verwöhnte Städter, denn das Leben ist nicht einfach. Wer hier lebt, wurde entweder hier geboren oder hat sich ganz bewusst dafür entschieden. Wegen der Ausdruckskraft der Landschaft, der sauberen, würzigen Luft, weil hier die Menschen Verträge noch per Handschlag schliessen und das gesprochene Wort noch etwas gilt.
Hier haben wir Menschen gefunden, die uns mit ihrer einfachen und ursprünglichen Art vieles beigebracht haben. Menschen, für die Bio einfach „logisch“ ist. Insbesondere eine Gruppe von Frauen hat es uns angetan.
*"Grand Cru" ist unser Label für besonders hochwertige Bio-Öle, deren Herkunft sich durch einen sozialen oder ökologischen Mehrwert auszeichnet.
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Wo der wilde Berglavendel in den Himmel wächst
Die «Causses» (Höhenzüge) sind sehr typisch für die Cevennen. Die Wege der Sammlerinnen führen über unendliche Kurven in die Höhe bis auf 1200 m, was schwachen Mägen Probleme bereiten kann.
«Les femmes» sind mit Picknick für eine Woche und mit ihren Ernte-Utensilien ausgerüstet: Sichel, Schleifstein, Körbe, Tücher, Notfallapotheke – und natürlich mit dem ätherischen Öl des Berglavendels, um Bienenstiche zu behandeln. Die Frauen übernachten in einfachen Hütten oder in Zelten.
Am frühen Morgen schwärmen sie in alle Himmelsrichtungen aus, schwingen die Sicheln und füllen ihre Tücher mit dem wilden Lavendel, bis diese prallvoll sind. Oft werden die schweren Tuchladungen auf dem Kopf kilometerweit zurückgetragen, bis zu einem Ort, an den der Camion (Transportwagen) gelangen kann. Die Arbeit ist beschwerlich und körperlich sehr anstrengend.

Früher und heute
Vor dem Zweiten Weltkrieg haben Bergbauern, Schäfer und Hirten den Berglavendel in den Cevennen gesammelt und im Hauptort St. Croix destilliert. Doch jahrzehntelang schien diese Tradition in Vergessenheit geraten zu sein.
Jean-Claude Richard erinnert sich:
«Als wir – die erste Farfalla-Generation – in den 80er Jahren, erstmals nach über 40 Jahren, mit Claire auf dem Dorfplatz das ätherische Öl destillierten, strömten die Dorfbewohner herbei. Viele alte Menschen gaben uns Ratschläge, wie man das früher gemacht habe. Eine betagte Frau brachte ihre Wäsche mit, die sie im auslaufenden Lavendelwasser wusch. Sie erklärte uns, dass ihre Kleider so tagelang wunderbar dufteten und dabei auch Motten fernhielten.»

Les femmes des Cevennes
Claire Moucot ist eine Frau in den Fünzigern mit dem natürlichen Charme dieser Gegend. Auffallend ist ihr Schalk in den Augen und unvergesslich ihr Händedruck. Eigentlich sagt der schon alles. Diese Frau weiss, was sie will. Wie keine andere hat sie ihre Visionen in die Tat umgesetzt. Über 40 Jahre lang beschäftigte sie sich mit Bio-Pflanzen, ebenso lange besteht die Freund- und Partnerschaft mit farfalla. Sie versammelte eine Gruppe von Frauen um sich, die sich den Wildpflanzen auf den Höhenzügen der Cevennen verschrieben haben.
Jean-Claude Richard über Claire:
«Was mich sehr beeindruckte, war Claires Wissen über die Pflanzen ebenso wie ihre unglaubliche Energie und Lebensfreude. Für mich war und ist sie eine wahre Pflanzenflüsterin.»
Später haben sich viele gleichgesinnte Frauen Claire angeschlossen, um Wildpflanzen zu sammeln und zu destillieren. In den letzten Jahren zog sich Claire altersbedingt etwas zurück, und eine der Frauen aus der Gruppe übernahm ihre Rolle. Heute gruppiert sich um Anne-Claire eine Gemeinschaft von ungefähr fünfzehn Frauen, die Claires Werk fortsetzen und inzwischen in einer neu gebauten, modernen Destille vor allem Wildpflanzen destillieren.
Warum ätherisches Öl vom Berglavendel?
In den Monaten Juli bis September sammeln die Frauen ungefähr 8000 kg des wild wachsenden Berglavendels. Daraus werden etwa 50 bis 60 kg ätherisches Öl destilliert – eine Kostbarkeit, deren erstklassige Qualität farfalla mit dem Grand Cru-Label auszeichnet.
Im Gegensatz zum angebauten Lavendel, der etwa 80 bis 100 cm hoch wird und maschinell geerntet wird, ist der Berglavendel ein zartes Pflänzchen von 25 bis 30 cm Höhe, das sich weitläufig über die Berghänge verstreut. Selbstredend, dass er nur von Hand geerntet werden kann. Die Wildsammlung bewahrt eine alte Tradition und unterstützt die lokale Gemeinschaft.
Nur wer einmal beim Sammeln dabei war, kann diese beschwerliche und körperlich anstrengende Arbeit nachempfinden. Doch wie zufriedenstellend die Ernte ist, strahlt aus den Augen der Sammlerinnen.
Wie unterscheiden sich die Lavendelöle in der Aromatherapie?
Lavendel fein
Lavandula angustifolia
Dem hohen Gehalt an Linalylacetat verdankt das ätherische Öl seine stark entspannenden Eigenschaften. Hilft bei Anspannung, Gedankenkarussell, Hautproblemen und sorgt für Entspannung, Harmonie und guten Schlaf.
Wilder Berglavendel
Lavandula angustifolia
Ebenfalls ein Lavandula angustifolia mit ganz ähnlichen Eigenschaften wie beim Lavendel fein, aufgrund der Höhenlage sind sie noch ausgeprägter. Die Pflanze ist eher unscheinbar und klein.
Lavandin
Lavandula hybrida super
Eine Kreuzung verschiedener Lavendelsorten, sein Duft wird von einer etwas herben Note geprägt. Der höhere Kampferanteil macht das ätherische Öl eher aktivierend als entspannend.
Speiklavendel
Lavandula latifolia
Mit ganz anderen Inhaltsstoffen als beim Lavandula angustifolia sind vor allem 1,8-Cineol und relativ hohe Kampferanteile prägend. Passend für anregende und kräftigende Massagen sowie für Sportöle.