Ätherische Öle im Spitzensport

Ätherische Öle im Spitzensport

15.11.2024

Interview mit der Schweizer Triathletin Daniela Ryf

Ätherische Öle begleiteten Daniela Ryf während ihrer gesamten Karriere – über deren Bedeutung für Leistungsfähigkeit und Widerstandskraft sprach sie bereits 2015 in ihrem Referat am farfalla-Aromakongress. Ihre Laufbahn ist ein starkes Zeugnis geballter Frauen- und Pflanzenpower: Daniela Ryf gehört zu den erfolgreichsten Triathletinnen der Welt. Die 1987 in Solothurn geborene Sportlerin gewann fünfmal die Ironman World Championship auf Hawaii sowie fünfmal die Ironman 70.3 World Championship. 2023 stellte sie mit ihrem Sieg beim Challenge Roth eine neue Weltbestzeit auf der Langdistanz auf. Zwei Olympiateilnahmen, zahlreiche weitere Titel und Rekorde machten sie zur führenden Schweizer Athletin auf der Ironman-Distanz.

Die Ironman-Distanz beinhaltet 3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und einen Marathonlauf über 42,195 km. Was macht für Dich die Faszination dessen aus, was für uns wie eine ungeheure Tortur klingt?

Die Distanz ist schon sehr weit, wenn man dies so aufschreibt. Bis vor 3 Jahren hatte ich nie gedacht, dass ich Ironman machen werde und auch ich fand es unmöglich. Allerdings ist es schon eine Trainingssache. Wenn man den Körper darauf vorbereitet und trainiert, dann kann er diese Distanz sogar in einem hohen Gang bewältigen. Bei mir steht also nicht die Distanz zu bewältigen im Vordergrund, sondern der Gedanke, möglichst schnell fertig zu werden. Dies macht die ganze Sache zwar härter, aber immerhin kürzer!

1 bis 2 Wettkämpfe pro Monat – für Deinen Körper Schwerstarbeit. Oder ist es gerade diese regelmässige Herausforderung, die Dich auf Erfolg programmiert hat? Was hat dazu beigetragen, dass Du im Moment so erfolgreich bist und wie erholst du dich nach diesen Höchstleistungen?

Das stimmt nicht ganz. Ich habe zwar im Sommer 1-2 Wettkämpfe pro Monat. Dies sind jedoch nicht alles Ironmans. Durch den Winter mache ich keine Rennen und bereite mich explizit für die Sommerperiode vor. Dies ist wichtig, da man den Körper auch mal runterfahren muss. Momentan hatte ich gerade Pause und wäre somit nicht fähig, einen Ironman zu finishen. Über die nächsten Monate bauche ich meine Form wieder auf, so dass ich erst ab Juni/Juli wieder zu Höchstleistungen fähig bin. Ein grosse Stärke von mir ist, dass ich mich sehr schnell erhole. Dies hat einerseits mit der Ernährung zu tun, aber auch mit meinen Muskeln, welche grosse Belastungen standhalten können. Seit gut 2 Jahren benutze ich ätherische Öle als Massageöle. Ich habe herausgefunden, dass ich mich schneller erhole, wenn ich z.B. Lavendelöl nach dem Training einreibe. Pfefferminzöl hilft mir einen Muskelkater zu reduzieren und Rosmarinöl benutze ich vor dem Training, da mir dadurch die Beine weniger schnell sauer werden.

Vor einigen Jahren ging es Dir eine Weile gesundheitlich nicht so gut. Wie gelingt es Dir, Deine Motivation aufrecht zu halten in Zeiten zu denen es nicht so gut läuft?

Ich habe mich ständig auf den nächsten Tag fokussiert. Wenn es mir heute schlecht ging, hatte ich stetig die Hoffnung, dass es eventuell morgen besser sein wird. Diese Hoffnung hat mir geholfen diese Zeit durchzustehen. In dieser Zeit stiess ich auf die ätherischen Ölen und begann mich intensiver damit zu verfassen. 

Trotz Deines Trainings- und Wettkampfprogramms hast Du die Zeit gefunden, beim Farfalla Aromakongress 2015 den Vortrag „Aromatherapie im Spitzensport. Wie sich aromatherapeutische Massnahmen positiv auf die Stärkung des Immunsystems auswirken können“ zu halten. Ein wahnsinnig spannendes Thema! Wie Du eben auch erwähnt hast, spielen für Dich die ätherischen Öle eine wichtige Rolle. Wie bist Du überhaupt auf die Öle gestossen?

Es war genau in der Zeit, wo ich gesundheitliche Probleme hatte. Ich war damals in Australien und begann meine Stirnhöhlentzündungen mit Zitronenöl zu behandeln und bemerkte, dass meine Magenprobleme durch Teebaumöl und Pfefferminzöl besser wurden. So begann ich mich mit deren verschiedenen Wirkungsfelder zu befassen. Erst zwei Jahre später fand ich heraus, dass die ätherischen Öle auch als Massageöl sehr wirksam sind.

Kannst du eine Leistungssteigerung durch den Einsatz von ätherischen Ölen feststellen?

Ja, ich bin überzeugt, dass die Leistung dadurch gesteigert werden kann. Dies in unterschiedlichen Formen. Muskulär hilft mir Rosmarinöl vor dem Training, welches die Muskeln durchblutet und ich das Gefühl habe, dass die Beine dadurch weniger schnell sauer werden. Gegen Muskelkater verwende ich Pfefferminzöl und für die Regeneration Lavendelöl. Für das Immunsystem benutze ich Zitronenöl in Form von Inhalation oder Gurgeln, welches aus meiner Sicht das Effekstivste gegen Halsschmerzen, Erkältung oder Stirnhöhlenentzündung ist. Bei Stress oder einige Tage vor den Rennen benutze ich Melissenöl, welches die Nerven beruhigt. Und während dem Training sprühe ich Lemongrass oder Rosmarin in meinen Fitnessraum, da es die Konzentration stärkt und den Geruch von Plastik (auf dem Laufband) überlistet.

Sehr spannend! Was macht den Einsatz von Aromatherapie so interessant für Dich?

Die effiziente Wirkung ist erstaunlich. Als ich damit begonnen habe, ging ich zum Arzt und habe ihn gefragt, ob er abklären könnte, ob dies wirklich alles legal ist, da ich so beeindruckt von der Wirkung war. Der Fakt, dass man Entzündungen auch ohne Medikamente auf natürliche Weise effizient behandeln kann, finde ich sehr spannend. In 10ml ätherischem Öl steckt eine deftige Ladung an Wirkung. Es ist sozusagen konzentrierte Natur. Normalerweise schützen die Stoffe in der Zitronenschale ja das Innere der Zitrone von Parasiten und Bakterien. Somit ist es ein konzentrierter Schutz und kann uns, richtig eingesetzt, bei vielen Problemen helfen. 

Können auch Hobbysportler von Deinen Erfahrungen profitieren – jetzt nicht nur, aber auch auf die ätherischen Öle bezogen? J

a bestimmt. Jeder der an seine Grenzen geht und die Muskulatur braucht, kann die ätherischen Öle einsetzen. Die Öle haben ja nicht nur eine Wirkung auf die Muskulatur, sondern auch auf die Haut und das Immunsystem. Es hilft für straffe Beine oder gegen müde Beine. So können die Beine auch nur nach einer langen Reise oder einem langen Arbeitstag erfrischt werden. 

Du bist viel unterwegs, Hawaii, Bahrain, Dubai, Wettkampf hier, Trainingslager da. Bist Du auch mal zu Hause? Oder gibt es etwas, das Dir auch in fremden Hotelzimmern ein Zuhause-Gefühl vermittelt? Was schenkt Dir Ausgleich und Balance in deinem Leben?

Ich bin durch den Winter relativ viel in der Schweiz. Zudem habe ich das Glück, dass mein Trainer in St. Moritz wohnt, dadurch bin ich auch im Sommer oft dort. Wenn ich jedoch irgendwo hingehe, nehme ich immer eine Kaffeemaschine mit. Dies ist sozusagen das wichtigste Tool für mich, um am Morgen wach zu werden;) Wenn ich länger weg gehen, dann nehme ich noch einen kleinen Luftbefeuchter mit. So kann ich auch mal die ätherischen Öle einsetzen, falls das Hotelzimmer nicht so lecker riecht oder falls ich Halsschmerzen habe, um den Raum zu befeuchten. Die Düfte geben dann ebenfalls ein Gefühl wie zu Hause. 

Das Interview wurde 2016 geführt.


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